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Öffentliche Führung zur 11. Triennale der Karikatur

Für alle Freunde der Karikatur bildet sie den Ausstellungshöhepunkt des Jahres, die Greizer Triennale der Karikatur. Die neue ist die bisher größte – 126 Künstler zeigen insgesamt über 300 Werke. Die Greizer Leistungsschau gehört damit zu den führenden für deutschsprachige Karikatur- und Cartoon-Kunst.

Bei der Wahl des Themas haben sich die Veranstalter Hilfe beim französischen Philosophen René Descartes (1596-1650) geholt. Von diesem stammt die ebenso stolze wie existenzbetonende Erkenntnis „cogito ergo sum“ – ich denke, also bin ich. Allerdings hat man in Greiz – dem Wesen der ausgestellten Gattung gemäß – diesen Satz nur mit einer ironischen Brechung als Thema übernommen.
Wie hat die aufgerufene Künstlerschaft reagiert? Nachdenklich, hintergründig, keck, provozierend, humorvoll, mit Sprachwitz – kurz gesagt: In der ganzen Bandbreite der künstlerischen Möglichkeiten. Die eingesandten Werke geben so ein Abbild des Hier und Heute, aber immer mit dem Schalk im Nacken!

Von den 126 Teilnehmern waren mehr als die Hälfte auf der letzten Triennale im Jahr 2021 vertreten. Daraus ergibt sich ein hoher Anteil von „Neulingen“. Es sind also viele neue Handschriften und Überraschungen zu entdecken. Neben digital oder traditionell mit Tuschefeder erstellten Arbeiten wurden auch einige Plastikaturen eingereicht – humorvolle, dreidimensionale Objekte oder Schaukästen.
Wie kommt aber ausgerechnet das kleinstädtische Greiz dazu, diese Leistungsschau auszurichten? Die Vorgeschichte der Triennale reicht bis ins Jahr 1975 zurück. Damals wurde das SATRICUM als das Karikatur-Museum der DDR im Sommerpalais gegründet. Der neue Sammlungs- und Ausstellungsbereich gehörte fortan zur Staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung. Da es in Greiz bereits historische Karikaturen aus fürstlicher beziehungsweise königlich-britischer Überlieferung gab, bot sich der Standort an. Mancher Kulturfunktionär mochte das neue Museum lieber in Berlin, Leipzig oder Dresden sehen, aber es leuchtete ein, dass eine Örtlichkeit abseits der Metropolen bei der Ausstellung von Kunst mit kritischem Potenzial weniger gefährlich war. 1980 startete man offiziell mit den Greizer Biennalen der Karikatur, die von Beginn an das „Who is Who“ der ostdeutschen Karikatur versammelten und zum Publikumsmagneten avancierten. Nach der Wende stellte man auf den dreijährigen Rhythmus um und öffnete die Türen für die gesamte deutschsprachige Szene.

Obgleich die „Ossis“ dem thüringisch-vogtländischen Karikatur-Mekka treu geblieben sind, gibt es inzwischen mehr Einsendungen aus den alten Bundesländern als aus den neuen. Hinzu kommen einzelne Einsendungen aus Österreich und der Schweiz. In diesem Jahr ist erstmals ein türkischstämmiger Zeichner dabei und einer, der mit französischem Pass im Vogtland lebt.

Bild: Birgit Dodenhoff (Niedersachsen), Leerling, 2023 (copyright: B. Dodenhoff)

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