Schwebende Textilkunst verwandelt Erfurter Krämerbrücke bis 29.6.
Mi. 17. Juni 2026 - Mo. 29. Juni 2026
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© Stadtverwaltung Erfurt/Daniel Santana

Die Erfurter Krämerbrücke wird bis zum 29. Juni 2026 Schauplatz einer spektakulären Kunstaktion: Das Werk „SCHICHTUNG“ des Meißner Künstlers Matthias Lehmann schwebt als filigranes Dach aus transluzenten Stoffbahnen über dem Erfurter Wahrzeichen. Die schwebende Installation, die im Rahmen des traditionellen Krämerbrückenfestes über ein Stahlseilsystem angebracht wurde, verbindet zeitgenössische Kunst mit der Geschichte des historischen Textilhandels. Lehmanns Entwurf setzte sich in einer Ausschreibung gegen 22 Mitbewerbungen durch und verwandelt die berühmte Gasse für zwei Wochen in ein Spiel aus Licht, Schatten und historischen Zeitschichten.

 

Während das Wahrzeichen der Thüringer Landeshauptstadt das ganze Jahr über ein Anziehungspunkt ist, steht es alljährlich am dritten Juniwochenende besonders im Fokus: Zum Krämerbrückenfest pilgern tausende Besucherinnen und Besucher über die bewohnte Gewölbebrücke, um Kunst, Kultur und traditionelles Handwerk zu erleben. Seit 2014 wird die Brücke dafür mit einer besonderen, thematisch offenen Kunstaktion in Szene gesetzt.

In diesem Jahr zieht das Werk „SCHICHTUNG“ die Blicke nach oben: Mehrere trapezförmige Stoffbahnen aus einem naturweißen, seidig-transluzenten Gewebe spannen sich horizontal über die Brücke und überlagern sich zu einem offenen, vielschichtigen Raumgefüge. Die präzise gespannten Bahnen formen ein Dach — eine ruhige, filigrane Geometrie, die sich zu einem spannungsreichen Ganzen fügt. Je nach Tageszeit und Standpunkt filtert das Gewebe das Licht anders, wirft wechselnde Schatten auf Fassaden und das Pflaster und verwandelt die vertraute Gasse in einen behüteten Raum.

 

Die Brücke als Ort der Verdichtung und Historie

Die Idee dahinter ist so einfach wie tiefgründig: Die Krämerbrücke ist selbst ein Ort der Schichtung — Wohnen, Handel und öffentlicher Weg verdichten sich hier seit dem Mittelalter auf engstem Raum, überlagern sich baulich, sozial und zeitlich. Matthias Lehmann, der als bildender Künstler in Meißen lebt und arbeitet, übersetzt diese Qualität in Stoff und Licht. Jede Bahn bildet eine eigenständige Ebene, die ihre volle Wirkung erst im Zusammenspiel mit den anderen entfaltet — ganz wie die historischen Zeitschichten des Ortes selbst.

Auch der Werkstoff ist nicht zufällig gewählt: Die Krämerbrücke ist historisch eng mit dem Textilhandel und dem thüringischen Blaudruck verbunden. Das naturweiße, transluzente Gewebe erinnert an ungebleichte Leinenstoffe vergangener Jahrhunderte — und übersetzt die Tradition in eine zeitgenössische Form.

 

Schlichtheit und historische Tiefe überzeugen die Jury

Bei der diesjährigen Ausschreibung bewarben sich insgesamt 22 Künstlerinnen, Künstler und Künstlergruppen. Lehmanns Idee setzte sich letztlich damit durch, dass sie die Jury in ihrer Schlichtheit und der Verbindung zur Historie des Ortes überzeugte.

Die Auslobung und Umsetzung der jährlichen Kunstinstallation ist eine Kooperation zwischen der Stadtverwaltung Erfurt/Kulturdirektion, dem Verband Bildender Künstler Thüringen e.V. sowie der Krämerbrückenstiftung. Finanziert wird sie durch eine Förderung der Sparkasse Mittelthüringen.

 

Mehr Infos auch unter: www.erfurt.de/kraemerbrueckeninstallation